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Pathos und Ethos. Max Weber als Erzieher

Christian Marty, 17 March 2022

„Und unverloren bleibt vor Allem die Tatsache: dass es möglich war, dass ein Mensch sich innerlich so selbst behauptete in einer Zeit, die für ihn nicht geschaffen war."
Max Weber, Brief an Magdalena Naumann, 21.6.1911.

„Genug, – und nun über das, was Sie das ‘Sich-unter-allen-Umständen-selbst-Behaupten’ nennen (auch mündlich berührten wir das), hoffe ich, sprechen wir noch einmal mündlich."
Max Weber, Brief an Karl Jaspers, 21.5.1913.

Um die Frage nach der Aktualität von Max Weber so präzise wie möglich zu beantworten, sollte man differenzieren und fragen, in welcher Hinsicht Weber aktuell ist: Ist Weber noch aktuell – als Soziologe? Ist er aktuell – als Historiker? Als Philosoph? Als Nationalökonom? Als Rechtswissenschaftler? Als Wissenschaftstheoretiker?

Oder als Erzieher? Als Erzieher zu einer gelungenen Lebensführung, wie Barbara Thériault mit Blick auf meine Doktorarbeit in diesem Blog ausgeführt hat?1 Während etliche Zeitgenossen des Jahrhundertgelehrten immer wieder betont haben, dass dieser „als Erzieher“ aktuell bleibe, hat es in der Weberforschung der letzten Jahre – auch nicht in den unzähligen Publikationen anlässlich des 100. Todestages –, kaum Erörterungen zu diesem Themenfeld gegeben. Dies sei im vorliegenden Beitrag zwar kurz, aber entschieden nachgeholt, indem gezeigt wird, wie Max Weber so deutlich wie kaum ein anderer den Weg weist zu einem selbstständigen, freien Leben.

Typische und untypische Weberei

Die in Rede stehenden Zeitgenossen Webers – allen voran Karl Jaspers, Karl Löwith und Albert Salomon, letzterer auf besonders fulminante Weise in seinen Essays aus den 1920er-Jahren – haben (was man von typischen „Weberians“ (Lawrence Scaff) nicht behaupten kann) kaum Interesse am Sozial- und Kulturwissenschaftler Max Weber: Dass dieser soziologische Abhandlungen über Wirtschaft und Gesellschaft, historische Untersuchungen über die Kulturbedeutung des Protestantismus oder nationalökonomische Schriften über Geld als Kampfmittel vorgelegt hat, erscheint diesen wiewohl grandios, so doch nebensächlich.2

Karl Jaspers im Jahr 1910.

Starkes Interesse zeigten Jaspers, Löwith und Salomon an einem anderen Aspekt des Weber’schen Werkes, so vor allem an dessen Versuch, Menschen in einer bestimmten Weise zu erziehen. Mehr als alles andere, so Salomon gewissermaßen stellvertretend für seine Kollegen, sei Weber „Erzieher“ gewesen, einer der „großen Erzieher“ sogar – ja gerade mit diesem Weber müsse man sich intensiv beschäftigen, denn er zeige vorbildhaft auf, inwiefern es sich in der entzauberten Welt „groß und adlig“ leben lasse.3

Unter anderem im Hinblick auf diejenigen Texte, in denen es um eine gelungene Lebensführung geht, also vornehmlich im Hinblick auf Wissenschaft als Beruf, Politik als Beruf oder bestimmte Passagen aus der Zwischenbetrachtung, zeichnen diese ersten Weberleser immer wieder nach, zu welchem Typus der Lebensführung ihr Vorbild erziehen wolle: Einem antiken Philosophen ähnlich gehe es jenem um die Beförderung einer „heroischen“ Existenz; er wolle dafür sorgen, dass Tugenden wie Hingabe, Vornehmheit oder Leidenschaft herausgebildet würden.4

Das richtige Leben im falschen

Eine derartige, auf den Erzieher fokussierende Lesart ist bis heute weder in der internationalen, noch in der deutschen Forschung weit verbreitet.5 Unter den vielen Gründen für das Desinteresse an dieser Facette des Weber’schen Œuvres ist auch der Umstand zu nennen, dass jener gerade als Erzieher eine überaus unzeitgemäße, kaum in die postheroische Gesellschaft passende Figur darstellt.6 Die Beförderung von Hingabe, Vornehmheit, Leidenschaft und ähnlichen, typischerweise als elitär geltenden Tugenden, scheint nicht zu jenem Erziehungsprogramm zu gehören, welches gegenwärtig besonders hoch im Kurs steht.

Und dennoch – bei gewissen Akteuren der Weberexegese hat gerade Max Webers Faible für diese Tugenden große Faszination ausgelöst. Man lese zur Probe die Einleitungssentenz von Wilhelm Hennis’ erstem Buch über Weber: Hennis wird durch seine Weberlektüre geradezu erschüttert, dies nicht so sehr, weil der „Begriffsterrorist“ (Reinhard Mehring) den „Anstaltsstaat“ oder den „Betriebskapitalismus“ oder die „Rationalisierung“ scharf umreißt, sondern vielmehr wegen dessen Hinwendung zur Frage nach der Möglichkeit eines richtigen Lebens im bürokratischen, kapitalistischen, gottfremden und damit „falschen Leben“.7

Bei anderen, an Hennis anschließende Interpretinnen und Interpreten verhält es sich ähnlich. So schätzt zum Beispiel Hans-Peter Müller die soziologischen, auf „Klassen“, „Stände“ und andere „Gruppen“ abzielende Analysen des Gesellschaftsdiagnostikers ungemein, dasjenige allerdings, was Müller am meisten interessiert, liegt nicht im Fragment über Klassen und Stände. Bezeichnenderweise endet sein jüngstes, über Fachkreise hinaus erfolgreiches Buch Max Weber. Eine Spurensuche mit Ausführungen zur Frage, was „wir“, das heißt wir Heutigen, von der Persönlichkeit Webers lernen können.8

Ein Lehrer der Freiheit

Mir persönlich ist es so ergangen wie Hans-Peter Müller. In einem Seminar der Züricher Philosophin Ursula Pia Jauch hatte ich in erster Linie den philosophischen, auch den existenzialistischen Autor von Schriften über unversöhnliche Wertkonflikte etwa zwischen ethischen und politischen, künstlerischen und ökonomischen, religiösen und erotischen Maximen kennengelernt. Später machten die Arbeiten von Salomon, Hennis und Müller viel mehr Eindruck auf mich als die Arbeiten von Wolfgang Schluchter, Gangolf Hübinger und anderen Herausgebern der Max Weber-Gesamtausgabe.9 Was hat Max Weber etwa mit einer „kantianisierenden Soziologie“ (Schluchter) zu tun? Kant mag in Heidelberg um 1900 eine zentrale Bezugsgröße gewesen sein, für Weber war er, wie in zahlreichen Briefen unschwer zu erkennen ist, eher uninteressant: Als ein Kantinaner von seiner Frau verlassen wurde, hatte Weber bereits den Grund für die Trennung vor Augen – „sicher aus Langeweile!“10

Max Weber konnte wenig mit Kant anfangen, besonders wenig mit dessen Glaube an einen ewigen Frieden, auch wenig mit dessen Forderung von moralischem Handeln.11 Dass der Königsberger Philosoph als „Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft“ den „Kategorischen Imperativ“ formuliert hatte und damit eine allgemeingültige Antwort auf die klassische Frage nach dem guten Leben zu geben versuchte, erachtete Weber als Ausdruck für einen „Kinderglauben an die Macht des Vernünftigen“: Nach seinem Dafürhalten geriete das im Kant’schen Sinne gebotene Tun wie jedes andere Tun nolens volens mit Werten in Konflikt und könne deshalb keine Superiorität beanspruchen.12 So hielt sich Weber bei zentralen Themen der praktischen Philosophie nicht an Kant, wohl jedoch an Nietzsche – und plädierte für einen radikalen Individualismus: Ganz allein (und ohne allgemeingültigen Wegweiser) habe man „eine Kette letzter Entscheidungen (zu treffen), durch welche die Seele (...) ihr eigenes Schicksal: – den Sinn ihres Tuns und Seins heißt das – wählt.“13

In meiner Doktorarbeit Max Weber. Ein Denker der Freiheit präsentiere ich „Max Weber als Erzieher“, als „Erzieher zur Freiheit“.14 Ausgehend vom Befund, dass „Freiheit“ für Max Weber aus dem bewussten Gehorsam gegenüber dem eigenen „Gott oder: Dämon“ besteht, lässt sich darlegen, dass er just zu diesem Gehorsam erziehen wollte.15 Oftmals bekundete Weber gegenüber seinem Publikum, dass man zunächst eruieren solle, welche Werte (oder: Götter oder: Dämonen) es gebe, um daraufhin entscheiden zu können, an welchem der Werte (oder: Götter oder: Dämonen) man sein Leben orientieren möchte: Will man sein Leben in Freiheit führen, so kann man sich nicht an irgendeinem von außen vorgegebenen Wert orientieren, sondern muss sich dem je persönlichen Wert hingeben, derjenigen „Sache“, die „an dem Tag, an dem die Sonne dich verliehen“, vom „einwirkenden Gestirn“ als „Gesetz“ in die „Seele“ gelegt worden ist.16

In Webers Augen war diesbezüglich entscheidend, so unterstrich er rigoros vornehmlich im Aufsatz über den Sinn der ‚Wertfreiheit‘, dass man eine persönliche Entscheidung in Bezug auf die eigene Lebensführung grundlegend reflektiert.17 Insofern galt es, mit der eigenen Freiheit auch bewusst umzugehen: Man muss nicht nur wissen, für welche „Sache“ man sich zu entscheiden hat, man muss auch wissen, was mit der Entscheidung für eine Sache einhergeht – die Reflexion über „Prämissen“ sowie „Folgen“ etwaiger Entscheidungen sind demnach mit „intellektueller Redlichkeit“ zu betrachten.18 Unter anderem dürfe in dieser Hinsicht nicht vergessen werden, dass jede Entscheidung für etwas zugleich eine Entscheidung gegen etwas darstelle, dass also eine schlichthin „gute“ Entscheidung unmöglich sei. So war die Lebensführung, zu welcher dieser Lehrer anzuleiten versuchte, gekennzeichnet durch eine ungewöhnliche Kombination aus Pathos und Ethos, aus Subjektivität und Objektivität, aus Freiheitsdrang und Verantwortungsbewusstsein.

Zeitgemäß unzeitgemäß?

Barbara Thériault hat in ihrem am Anfang erwähnten Beitrag in diesem Blog bemerkt, dass das Weber’sche „Lebensideal (...) ziemlich genau das Gegenteil von dem“ sei, was neuerdings als angebracht angesehen werde: „Ich würde behaupten, dass Max Weber vielen – mir inklusive – oft unzeitgemäß erscheint.“19 So ist es – wobei Thériaults Statement auch deshalb überaus treffend ist, weil es kenntlich macht, dass die Frage nach der Aktualität von Max Weber als Erzieher keineswegs in einer allgemeingültigen, sondern nur in einer persönlichen Form beantwortet werden kann.

Ja, gerade die Frage nach der Aktualität von Max Weber als Erzieher lässt sich streng genommen – das heißt auch: ohne Rückfall hinter die Weber’sche Wissenschaftslehre respektive ohne Missachtung der Einsicht, dass eine „‚praktische‘ Bewertung“ grundsätzlich „‚subjektiven‘ Charakters“ ist – nicht pauschal beantworten.20 Einzelne Forscherinnen und Forscher können bloß darlegen, ob sie dem, was Weber sagt, zustimmen oder nicht: Hat jemand, der bekundet, man dürfe sich niemals den „Vorgesetzten“, den „Autoritäten“, den „gerade herrschenden Mächten“ beugen, Wichtigkeit? Hat einer, der befindet, man solle sich stets dem persönlichen „Gott“, dem eigenen „Dämon“, der individuellen „Sache“ hingeben, Relevanz? Und ist der, der behauptet, man solle sich zunächst den „Kampf der Werte“ vor Augen führen, um daraufhin zugleich mit leidenschaftlichster Entschlossenheit wie mit höchstem Verantwortungsbewusstsein einen dieser Werte zu verwirklichen – ist der für eine/n von Bedeutung?21 Mehr noch: Soll man seinen Darlegungen zu diesem Themenbereich zustimmen, obwohl gerade diese Darlegungen ziemlich vage sind?

„Er umleuchtet die einsame Stätte...“

„Das Schicksal hat weiß Gott wunderliche Launen, aber es hat Grenzen seiner Macht u. es wird über die Jugend unsrer Herzen nichts vermögen (...), wenn wir es nicht wollen."
Max Weber, Brief an Marianne Weber, 9.4.1908.

Diejenigen Zeitgenossen des Gelehrten, die eingangs erwähnt wurden, haben Fragen wie die obigen strikt bejaht, dies zuweilen richtiggehend enthusiastisch. Im Laufe des 20. Jahrhunderts sind andere Weber-Enthusiasten hinzugekommen: Vornehmlich unter denjenigen Jüdinnen und Juden, die nach der sogenannten „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten in die Emigration gegangen waren und der New School in New York zu bleibendem Ansehen verhalfen, gab es, wie Thomas Meyer in diesem Blog zeigt, mehrere solcher Enthusiasten – namentlich Hannah Arendt oder Aron Gurwitsch, Alfred Schütz oder Emil Lederer, Leo Strauss oder auch der oft für einen Weber-Antipoden gehaltene, sich allerdings regelmäßig fast schon ehrfürchtig äußernde Theodor W. Adorno.22 Viele dieser Autorinnen und Autoren waren der Auffassung, dass Max Weber seine Aktualität gerade wegen seiner Unzeitgemäßheit, gerade wegen seines Einsatzes in der Zeit gegen die Zeit behalte; infolgedessen könnte man mit Blick auf Weber „eine Ideengeschichte der Emigration“ schreiben, wie Meyer vorschlägt. In dieser Geschichte ließe sich aufzeigen, dass viele jener Emigrantinnen und Emigranten exakt von den Ausführungen des Denkers zur Lebensführung beindruckt waren, stark auch von dessen (unter den Humans of New York nach wie vor sehr populären) Vorstellung, dass selbst unter Bedingungen, welche etwaige Anpassung belohnen, die Chance eines unangepassten, selbstständigen, freien Lebens gegeben ist: „(...) er umleuchtet die einsame Stätte, den Ort der Freiheit, das Gethsemane der Seele, wo die letzten Entscheidungen menschlichen Wollens stattfinden.“23

Karl Löwith im japanischen Exil. Foto: Deutsches Literaturarchiv Marbach.

Heute – mehr als 100 Jahre nach dem frühzeitigen Tod dieses ungewöhnlichen Menschen – wird die Zahl derjenigen, die sich dem erzieherischen Part des Weber’schen Werks widmen, zumindest nicht größer.24 Ob die Auseinandersetzung mit dem Erzieher weiterhin stagnieren wird? In Anbetracht gewisser Aspekte der Rezeption des Weber’schen Œuvres ist zu erkennen: Kommen neugierige Menschen in Kontakt nicht nur mit dem Soziologen, dem Historiker, dem Nationalökonomen Max Weber, kommen sie auch in Kontakt mit dem Erzieher, dem Lehrer, dem Pädagogen Max Weber, so kann es passieren, dass sie Weber, den Erzieher, für noch aktueller halten als Weber, den Soziologen.

„Und gerade darum ist es an der Zeit“, so formulierte Salomon mit Nachdruck im Deutschland der Zwischenkriegszeit, als der feinsinnige Intellektuelle bereits umgeben war vom „Schrei nach dem Führer“, vom „Jammern nach der Gemeinschaft“, vom „krampfhaften Suchen nach (...) seelischer Autorität“: „Und gerade darum ist es an der Zeit, den Schatten eines Mannes zu beschwören, dessen Leben seinen Sinn empfing durch das Streben, der Freiheit ihren neualten heroischen Sinn durch vorgelebtes Leben und durch sein Werk und sein Wort wieder zu verleihen (...). Sein Schatten noch lässt die frechen Lügenpropheten in ihrer Armseligkeit zusammenschrumpfen und den Gauklern mit der heroischen Gebärde versengt noch sein Schattenblick das heldische Gewand.“25

  1. Siehe den Beitrag von Barbara Thériault in diesem Blog.
  2. Vgl. zu den ersten Weberforschern insbesondere Jaspers, Karl: Max Weber. Deutsches Wesen im politischen Denken, im Forschen und Philosophieren, Oldenburg 1932; Löwith, Karl: Max Webers Stellung zur Wissenschaft, in: Karl Löwith (Hg.): Hegel und die Aufhebung der Philosophie im 19. Jahrhundert – Max Weber, Stuttgart 1988, S. 419-447; Salomon, Albert: Max Weber, in: Peter Gostmann/Gerhard Wagner (Hg.): Albert Salomon Werke. Biographische Materialien und Schriften 1921–1933, Wiesbaden 2008, S. 138 bzw. S. 155.
  3. Salomon, Albert: Max Weber, in: Peter Gostmann/Gerhard Wagner (Hg.): Albert Salomon Werke. Biographische Materialien und Schriften 1921–1933, Wiesbaden 2008, S. 138 bzw. S. 155.
  4. Ebd., S. 138f.
  5. Vgl. als Überblick zur Geschichte der Weberforschung u. a. Müller, Hans-Peter/Sigmund, Steffen (Hg.): Max Weber-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Stuttgart/Weimar 2014.
  6. Vgl. zur Unzeitgemäßheit von Figuren wie Max Weber u. a. Münkler, Herfried: Heroische und postheroische Gesellschaften, in: Merkur 700, 2007, S. 742-752.
  7. Vgl. Hennis, Wilhelm: Max Webers Fragestellung. Studien zur Biographie des Werks, Tübingen 1987, S. 3ff.
  8. Vgl. Müller, Hans-Peter: Max Weber. Eine Spurensuche, Frankfurt a. M. 2020, S. 419ff.
  9. Vgl. zur von Hans-Peter Müller als „orthodox“ bezeichnete Deutung des Weber’schen Werkes vor allem Bendix, Reinhard: Objektiver und subjektiver Sinn in der Geschichte, in: Reinhard Bendix (Hg.): Freiheit und historisches Schicksal. Heidelberger Max Weber-Vorlesungen, Frankfurt a. M. 1992; Parsons, Talcott: The Structure of Social Action II, New York 1968; Schluchter, Wolfgang: Rationalismus der Weltbeherrschung. Studien zu Max Weber, Frankfurt a. M. 1980.
  10. Weber, Max: Brief an Mina Tobler, 4.12.1918.
  11. Vgl. zur Stellung von Kant im Weber’schen Werk u. a. Hennis, Wilhelm: Max Weber und Thukydides. Nachträge zur Biographie des Werks, S. 22, wo Hennis im Anschluss an Eduard Baumgarten bekundet, dass Weber geradezu ein Anti-Kantianer sei. „Seine Philosophie aber ist unkantisch von Grund auf: sie geht ganz auf das Handeln in der Welt (...). Ihr ist das ‘Leben’ die Welt (...). Er ist der erste unter den Philosophen, die der Wirklichkeit der Welt bis auf den Grund treu waren.“
  12. Vgl. dazu insbesondere Weber, Max: Brief an Mina Tobler, 24.8.1915, wo Weber seine Skepsis gegenüber dem „Glauben“ ans „Vernünftige“ deutlich zum Ausdruck bringt.
  13. Weber, Max: Der Sinn der ‚Wertfreiheit‘ der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften, in: Johannes Winckelmann (Hg.): Max Weber. Gesammelte Schriften zur Wissenschaftslehre, Tübingen 1988, S. 507.
  14. Marty, Christian: Max Weber. Ein Denker der Freiheit, Basel/Weinheim 2020.
  15. „Freiheit = Gehorsam nur gegen sich selbst“, heißt es in einer kaum zitierten Vorlesungsnotiz. Vgl. MWG III/4, Arbeiterfrage und Arbeiterbewegung, S. 150.
  16. Vgl. zum „Erzieher zur Freiheit“ Marty, Christian: Max Weber. Ein Denker der Freiheit, Basel/Weinheim 2020, S. 63ff. resp. S. 171ff., wo Webers Forderung nach einem strikten Gehorsam gegenüber dem eigenen Dämon ausführlich thematisiert wird.
  17. Vgl. Weber, Max: Der Sinn der ‚Wertfreiheit‘ der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften, in: Johannes Winckelmann (Hg.): Max Weber. Gesammelte Schriften zur Wissenschaftslehre, Tübingen 1988, S. 489-540.
  18. Ebd.
  19. Treffend ergänzt Thériault: „Sicher gibt es manche – die man gerade unter Kennern Webers finden kann –, die in Webers Entschlossenheit und Haltung große Anziehungskraft sehen (...).“ Siehe den Beitrag von Barbara Thériault in diesem Blog.
  20. Vgl. zum subjektiven Charakter einer praktischen Bewertung Weber, Max: Der Sinn der ‚Wertfreiheit‘ der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften, in: Johannes Winckelmann (Hg.): Max Weber. Gesammelte Schriften zur Wissenschaftslehre, Tübingen 1988, S. 489-540.
  21. Vgl. zu den erzieherischen Forderungen Max Webers in erster Linie die Crescendi am Ende seiner berühmten Reden, so Weber, Max: Politik als Beruf, in: Johannes Winckelmann (Hg.): Max Weber. Gesammelte Politische Schriften, Tübingen 1988, S. 505-560; Weber, Max: Wissenschaft als Beruf, in: Johannes Winckelmann (Hg.): Max Weber. Gesammelte Schriften zur Wissenschaftslehre, Tübingen 1988, S. 582-613.
  22. Siehe den Beitrag von Thomas Meyer in diesem Blog.
  23. Salomon, Albert: Max Weber, in: Peter Gostmann/Gerhard Wagner (Hg.): Albert Salomon Werke. Biographische Materialien und Schriften 1921–1933, Wiesbaden 2008, S. 153.
  24. In neueren Publikationen ebenso wie in mehreren Gesprächen äußert sich Dirk Kaesler immer wieder pessimistisch über die Zukunft der „Weberei“: Die Auseinandersetzung mit Max Webers Werk werde nicht größer und intensiver, sondern kleiner und schwächer. Siehe den Beitrag von Dirk Kaesler in diesem Blog.
  25. Salomon, Albert: Max Weber, in: Peter Gostmann/Gerhard Wagner (Hg.): Albert Salomon Werke. Biographische Materialien und Schriften 1921–1933, Wiesbaden 2008, S. 138 bzw. S. 155.
Christian Marty, Pathos und Ethos. Max Weber als Erzieher, CAS LMU Blog, 17 March 2022, https://doi.org/10.5282/cas-blog/37
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